• Michel

Sollte „Arbeit“ nicht lieber „Leben“ heißen?

Der Begriff der Arbeit verändert sich von Jahr zu Jahr. Wenn bei meinen Großeltern Arbeit „das halbe Leben“ war und sich alles um Arbeit drehte, war bei meinen Eltern die Arbeit ganz klassisch (im alten Sinne) verteilt. Mein Vater hat 50 – 60 Stunden die Woche gearbeitet und meine Mutter hat sich zuhause um mich und meine Schwester gekümmert. Ist diese Lebensidee heute noch realistisch, auch mit Blick auf zukünftige Veränderungen und neue Technologien?


Ich tippe „Roboter“ in meine Suchmaschine ein und klicke auf „News“. Folgende Überschriften erscheinen:


· „Roboter geht für kranken jungen in die Schule“

· „Roboter sammeln Müll im Meer“

· „Dieser Roboter kann personalisierte Burger braten“


Schon heute übernehmen Roboter immer mehr Aufgaben und Tätigkeiten. Was für meine Eltern noch Fiction war ist heute schon mehr Realität, als viele sich bewusst machen. In einer Firma, in der ich vor einiger Zeit gearbeitet habe, sind alle Menschen im Bereich der Kunststofffertigung durch Roboter ersetzt worden. Und das bereits seit über 15 Jahren. Werden für meine Tochter also Roboter normale Alltagshelfer sein?


Unabhängig davon, wie schnell und in welcher Art die Entwicklung weiter voranschreitet, sollten wir uns folgendes vor Augen halten: Es wird immer mehr „Arbeit“ automatisiert bzw. von Robotern übernommen. Ich gehe sogar noch weiter: Es könnten schon heute(!) viel mehr Tätigkeiten automatisiert werden, aber viele Unternehmen haben eine große Herausforderung:


Was mache ich mit den Menschen?


Und genau an dieser Stelle ergibt sich eine neue Perspektive: Wenn Arbeit für viele Menschen durch Roboter oder einer KI abgelöst wird, welchen (neuen) Sinn muss es für diese Menschen geben weiterhin zu arbeiten? Wird die klassische Arbeit nur noch kleiner Teil sein, aber ein viel größerer wird vielleicht auf die Pflege und Betreuung immer älter werdenden Menschen verwendet? Und kann dies nicht viel erfüllender sein?


Ich denke das wir in Zukunft auf diese Fragen antworten finden müssen. Wir müssen unser Leben anders denken und neu sortieren. Es wird anders, aber (aus meiner Sicht) nicht unbedingt schlechter. Denn wir könnten die Welt gesellschaftlich neu ausrichten und mit Gemeinwohl ganz andere Möglichkeiten erschließen.


Und die „klassische Arbeit“? Die gibt es sicherlich weiterhin. Aber sie wird meiner Meinung nach in den Hintergrund rücken und das Leben mit all seinen Facetten wird mehr Raum einnehmen.


Lasst uns also mehr Leben, denn weniger „Arbeit“ wird es für viele von ganz alleine geben.