• Michel

New Work = Digitalisierung?

Wir sprechen so viel über „New Work“, über die Veränderung der Arbeitswelt und der damit verbundenen neuen Art gemeinsam zu arbeiten. Viele verbinden mit diesem neuen Lebensstil bessere (Arbeits)Ergebnisse, aber oftmals ist das Gegenteil der Fall. Für manche ist „New Work“ reine Digitalisierung. Doch eigentlich ist es so viel mehr! Denn wenn wir etwas Neues – wie „Neues Arbeiten“ – ausprobieren, müssen wir etwas Altes loslassen können, loslassen wollen. Und dieses „nicht mehr festhalten“ sorgt oftmals für ein ganz komisches, eigenartiges Gefühl, denn es bedeutet, Dinge die man lieb gewonnen hat, zu hinterfragen. Aber auf dieses Gefühl muss ich mich einlassen.


In der Mitteldeutschen Zeitung bin ich neulich auf einen Artikel gestoßen, der sich mit dem Thema „War Corona ein Booster für New Work“ beschäftigt. Eine Erkenntnis ist, dass Corona für einen Digitalisierungsschub gesorgt hat. Es stimmt, die Notwendigkeit jetzt zwingend handeln zu müssen, hat dafür gesorgt, dass viele Unternehmen sich mit dem Thema mehr beschäftig haben als noch vor Corona. Auf einmal funktionierten vielerlei Meetings und Absprachen über Videokonferenzen doch besser als gedacht. Man stellte fest, dass die plötzlich in einem Coworking Space arbeitenden Kolleginnen und Kollegen, tatsächlich auch effektiv und produktiv waren, und diejenigen im Homeoffice über das ein oder andere Tool plötzlich doch ganz prima mit Kunden und Teamkolleg:innen kollaborativ zusammenarbeiten konnten. Prima. Wir haben also den aktuellen Status ins digitale übertragen. Durchatmen.


Aber… Moment. Vieles läuft doch trotzdem so weiter wie bisher, oder? Es sprechen die gleichen Kolleg:innen mit den gleichen Kolleg:innen. Und auch in diesem Tool sind dieselben Personen wie sonst aktive Mitschreiber:innen - wie bei uns im Büro am Flipchart. Der stille Rest nimmt teil, hört zu, protokolliert.

Wo ist denn jetzt dieses „alles wird besser!“? Nun ja, da liegt der Nachteil. Etwas tatsächlich „verbessern“ oder „ändern“, erreiche ich nicht damit, es einfach digital abzubilden. „Wenn Sie einen scheiß Prozess digitalisieren, habe Sie danach einen scheiß digitalen Prozess!“ sagte bereits Thorsten Dirks, der CEO von Teléfonica Deutschland. Und er hat in meinen Augen recht. Die wahre „Magie“ von diesem New Work, entfaltet sich nur dann, wenn wir Anfangen grundlegend neu zu denken.




Fragen, die man sich aus meiner Sicht stellen und beantworten sollte, um sich New Work auf einer anderen Ebene anzunähern und erste Schritte in diese Richtung vorzunehmen sind zum Beispiel folgende:


· „Wer im Unternehmen hat eigentlich die Fähigkeit „X“ oder die Kompetenz „Y“?

· „Wenn in einem Jahr Abteilung „Z“ zufriedener wäre, was hat sich dann verändert?

· „Mit wem kann ich mich zum Thema „XYZ“ austauschen, mit dem ich noch nie darüber gesprochen habe?


Was ich sagen möchte: Die Veränderung beginnt in dem Moment, wo ich selbst bereit bin mich und mein Handeln zu hinterfragen und im Anschluss meine abgespulten Muster zu verändern. Schaffe ich dies nicht, wird „New Work“ immer der Marketingbegriff bleiben, der auf unzähligen PowerPoint Folien durch die Büros der Welt getragen wird.


Fangt also immer bei euch selbst an, wenn ihr eine wirklich neue Wirkung erzielen möchtet. Für die Zukunft ist dieser Schritt ein wichtiger.


Foto von alleksana von Pexels